
Die Extertalbahn ist eine normalspurige elektrifizierte Nebenbahn,
die zwischen Barntrup und Rinteln durch das Tal der Exter verläuft.

Die Extertalbahn besaß ursprünglich eine Länge von 27,8 Kilometern, davon
20,3 km in Lippe. In Barntrup ist die Bahnstrecke an die 1897 in Betrieb genommene
Nebenbahn Lage - Lemgo - Hameln und in Rinteln
war sie an die 1875 in Betrieb gegangene Hauptbahn Hameln - Löhne angebunden.
Charakteristisch für den Verlauf der Extertalbahn sind ihre
Steigungsverhältnisse und die teilweise sehr engen Gleisradien: Während
Barntrup auf 187 m üNN liegt, befindet sich die Bergstation Alverdissen auf 261 m
üNN. Bis Rinteln fällt die Strecke auf 56 m üNN ab. Die stärkste
Steigung liegt bei 1:42 nördlich von Barntrup, der engste Radius mit 140 m bei
Rinteln.
Der Gedanke an eine Eisenbahnlinie durch das Extertal von Barntrup
nach Rinteln kam erstmals um 1900 auf. Vor dem ersten Weltkrieg kam es jedoch nicht mehr
zur Umsetzung der Pläne.
Nach dem Krieg wurden im Jahr 1923 die alten Pläne wieder aufgegriffen. Das
Kraftwerk Wesertal aus Hameln suchte Großkunden und meldete Interesse am Bau einer
elektrischen Nebenbahn an. Im Jahr 1924 beauftragten die örtlichen Gemeinden
Wesertal, Pläne für den Bau einer elektrifizierten Strecke vorzulegen.
Das Kleinbahnprojekt im lippischen Norden schritt schnell voran. Bereits am 08.09.1924
wurde die Extertalbahn AG mit Beteiligung des Landes Lippe, der preußischen Provinz
Schaumburg, der Stadt Rinteln, des Kreises Sternberg-Barntrup und des
Elektrizitätswerks Wesertal mit Sitz in Barntrup (später Hameln)
gegründet.
Am 15.12.1924 begannen an der Extertalbahn die Bauarbeiten, die von der
Reichsarbeitsverwaltung als öffentliche Notstandsarbeit verstärkte
öffentliche Förderung erfuhren, mit einem Festakt.
Am 08.07.1927 wurde der erste Teilabschnitt von Barntrup nach Bösingfeld feierlich
eröffnet. Die Eröffnung des zweiten Abschnittes von Bösingfeld nach
Bögerhof folgte am 15.05.1928, während die Reststrecke bis nach Rinteln am
15.06.1929 in Betrieb ging.
Die Eisenbahnstrecke der Extertalbahn sollte die abgelegenen Ortschaften im Tal der Exter
an das Schienennetz anbinden und den ortsansässigen Unternehmen eine bessere
Anbindung an die Wirtschaftszentren bieten. Der Personenverkehr spielte auf der
Extertalbahn nie eine bedeutende Rolle, obgleich in den ersten Betriebsjahren der
Personenverkehr unerwartet stark anstieg.
Zur Anbindung der Extertalbahn im Reichsbahnhof Rinteln errichtete man in Rinteln eine
neue Weserbrücke. In Rinteln führte die Bahn, ähnlich einer
Straßenbahn, durch die Innenstadt.
Die Energieeinspeisung der Extertalbahn erfolgte über den Betriebsmittelpunkt
Bösingfeld über eine kleines Unterwerk mit zwei 500 kW-Gleichrichtern. Die 25
kV-Drehstrom aus der Wesertalleitung wurden hier in 1500 Volt Gleichstrom
umgewandelt.

Für den Betrieb auf der Strecke lieferten Killing & Sohn aus Hagen 1927 drei
zweiachsige Personentriebwagen (ET 1-3) und zwei Beiwagen (EB 11-12), während
Nordwaggon aus Bremen den Auftrag für den Bau zweier Gütertriebwagen (E21-22)
erhielt.
Die Gütertriebwagen wurden als vierachsige Drehgestellloks ausgeführt und
erhielten ein Gepäck- und ein Postabteil für insgesamt 15t Ladegewicht.
Während die Personenfahrzeuge Mittelkupplung erhielten, wurden die
Gütertriebwagen mit Mittel- und gewöhnlicher Schraubenkupplung ausgestattet. Im
Jahr 1929 wurde noch ein dritter, baugleicher Beiwagen (EB13) von der Nordwaggon
beschafft.
Im Jahr 1929 beschäftigte die Extertalbahn AG 37 Mitarbeiter. Damals fuhren 16
Triebwagenpaare und mehrere Güterzüge auf der Extertalbahn. Im Jahr 1930 wurden
rund 19.000 Tonnen Güter auf der Strecke befördert. Die
Beförderungsleistungen stiegen weiter an und erreichten im Zweiten Weltkrieg ihre
vorläufige Spitze von 80.000 Tonnen.
Deutsche Truppen sprengten 1945 die Rintelner Weserbrücke, so dass der Betrieb
von der Extertalbahn zum Bahnhof Rinteln eingestellt werden musste. Am 28.05.1945 wurde
der planmäßige Personenverkehr auf der Extertalbahn mit drei
Personenzügen wieder aufgenommen. Am 07.12.1946 war die Rintelner Brücke
wiederhergestellt.
Für den Betrieb auf der Strecke bestellte die Extertalbahn 1951 zwei neue,
vierachsige Triebwagen, denen 1956 noch ein dritter folgte (ET 4-6). Die neuen Triebwagen
lösten die alten Zweiachser ab.
Der Güterverkehr erreichte 1963 seinen Maximalwert mit 105.000 Tonnen
Beförderungsleistung. Seit 1959 sanken jedoch die Fahrgastzahlen im Personenverkehr
um rund 100.000 Fahrgäste jährlich. Als Folge wurde bereits am 25.09.1966 der
Personenverkehr zwischen Bösingfeld und Barntrup komplett eingestellt. Drei Jahre
später, am 29.09.1969, wurde dann auch der Reisezugverkehr nach Rinteln eingestellt.
Die Personentriebwagen wurden nach Österreich verkauft. Im Jahr 1967 wurde die
Extertalbahn AG in die Verkehrsbetriebe Extertal GmbH umgewandelt. Sitz des Unternehmens
ist seither Extertal-Bösingfeld.

Seit 1969 verkehrten auf der Extertalbahn auch die Güterzüge nur noch
sporadisch nach Bedarf.
Am 28.09.1970 wurde die Strecke durch die Rintelner Innenstadt und über die
Weserbrücke stillgelegt, damit wurde die Bahn um 3,4 km verkürzt und verlor den
nördlichen Anschluss an das übrige Schienennetz. Nördlicher Endpunkt der
Strecke ist seither der Bahnhof Rinteln Süd. Der Übergang zur DB ist fortan nur
noch in Barntrup zur Strecke Lage - Lemgo -
Hameln möglich. Nachdem ab August 1985 die Gleise zwischen Aerzen und Hameln
demontiert wurden, verfügte die Extertalbahn nur noch über einen Anschluss in
Richtung Lemgo.
Die Beförderungsleistungen im Güterverkehr auf der Schiene gingen seit den
1980er Jahren immer weiter zurück. So stellte die damalige Bundesbahn einen
Tarifpunkt nach dem anderen ein. Entlang der Strecke
Lage - Lemgo - Hameln traf es zuletzt Dörentrup (Januar 1994), Aerzen (April
1994, Streckenabschnitt Barntrup - Aerzen 1996 stillgelegt) und Barntrup DB (Januar
1996). Seit diesem Zeitpunkt wurde der Streckenabschnitt Lemgo - Barntrup
ausschließlich für die Extertalbahn betrieben.
Ende 2000 sollte die Strecke Barntrup - Lemgo dann ebenfalls stillgelegt werden. Es
gelang den Verkehrsbetrieben Extertal (VBE) jedoch, diese Strecke zu übernehmen. Das
VBE-Netz wuchs somit um 19 Kilometer, in Anlehnung an die Exter als namensgebendes
Gewässer der Extertalbahn und nach dem Motto der Landeseisenbahn Lippe, die schon
1991 davon schrieb, vom Exter- ins Begatal zu fahren, bezeichnete man die Linie Lemgo - Barntrup fortan als Begatalbahn.

In den Jahren 1999/2000 wurde intensiv nach Nutzungsmöglichkeiten für die
Extertalbahn gesucht. Da der Güterverkehr inzwischen praktisch nur noch im
Saisonverkehr das Getreidelager in Rinteln-Süd bediente und der Museumszug der
Landeseisenbahn Lippe e.V. (LEL) nur etwa alle vier Wochen auf der Strecke fuhr, suchte
man nach Möglichkeiten, die Strecke auch in den übrigen Zeiten sinnvoll zu
nutzen. So entschied man sich für die touristische Nutzung der Strecke mit
Fahrraddraisinen. Nach den notwendigen Umbauten der Bahnübergangs-Sicherungsanlagen
und Fertigung der ersten zehn Fahrraddraisinen konnte die Strecke im Frühsommer 2001
an der Bergstation Alverdissen feierlich eröffnet werden. Seit April 2002 läuft
der planmäßige Betrieb der Fahrraddriaisnen, die im Abschnitt Rinteln-Süd
- Alverdissen unterwegs sind. Der Bahnhof Rinteln-Süd wurde hierzu zum
"Draisinenbahnhof" umgebaut. Es entstanden dort eine Abstellhalle sowie Parkplätze
für Pkw.
Ende 2003 wurde das Getreidelager in Rinteln aufgelöst, damit verlor die
Extertalbahn ihren letzten VBE-Güterkunden auf der Schiene. In dieser Zeit traten an
den Exter-Brücken bei Fütig und Krankenhagen Schäden auf, die eine
umfangreiche Sanierung erforderlich machen. Eine Sanierung hat jedoch abgesehen vom
Museumsbahnbetrieb keinen weiteren Nutzen, so dass der nördliche Streckenabschnitt
zwischen Extertal-Bösingfeld und Rinteln-Süd für den Eisenbahnbetrieb
gesperrt werden musste. Hier verkehren seit 2003 somit nur noch die Fahrraddraisinen. Die
endgültige Stilllegung des Streckenabschnittes Bösingfeld - Rinteln Süd
für den Eisenbahnbetrieb erfolgte am 01.11.2007.
Inzwischen sind bis zu 36 Fahhraddraisinen in der Saison zwischen April und Oktober auf
der Extertalbahn unterwegs.
Der Betrieb der Fahhraddraisinen im nördlichen Abschnitt der Extertalbahn ist ein
voller Erfolg. Die Draisinen sind oftmals ausgebucht und jedes Jahr werden neue Draisinen
hinzubeschafft, um immer mehr Besuchern dieses touristische Erlebnis zu
ermöglichen.
Weder die stattfindenden Dampfzugfahrten noch der Draisinenbetrieb werden jedoch
langfristig den Erhalt der Extertalbahn sichern können.
Der Erhalt dieser landschaftlich reizvollen Strecke hängt somit von privaten und
öffentlichen Zuschüssen und vom ehrenamtlichen Einsatz der Eisenbahnfreunde
ab.
Seit August 2008 steht die Strecke im Bereich der Gemeinde Extertal unter Denkmalschutz.
Auch für den Bereich der Stadt Barntrup ist der Denkmalschutz im
Gespräch.
Es bestehen Planungen, den historischen Lokschuppen Dassel der Ilmebahn als nach
Alverdissen umzusetzen, wo er am Ende der Draisinenstrecke zum Mittelpunkt eines
attraktiven Museumsbahnhofs werden soll.
Es findet aktuell kein planmäßiger Zugverkehr mehr auf der Extertalbahn
statt.
Vom Betriebshof im Bahnhof Bösingfeld werden aber weiterhin an einigen Sonntagen
Dampfzugfahrten nach Barntrup angeboten. Die Termine der nächsten touristischen
Museumsfahrten auf der Extertalbahn geben wir im Lippebahn-Blog
bekannt.
Weiterhin kann mit Fahrraddraisinen vom Bahnhof Rinteln Süd die Strecke im Sommer
bis Alverdissen befahren werden.
Informationsgrundlage für diesen Artikel sind die folgenden Veröffentlichungen:
Alle Bilder dieser Seite von R. Maritschnigg; Grafik des Streckennetzes von I.
Siegmann
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