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Die Kursbuchstrecke 404: Bielefeld - Lage - Hameln (Begatalbahn)
Begatalbahn

Eurobahn fährt aus Oerlinghausen kommend in den Bahnhof Lage ein
Die Kursbuchstrecke 404, in ihrem zentralen Abschnitt zwischen Lemgo und Barntrup bekannt als Begatalbahn, führte einst in ihrer Gesamtlänge von Bielefeld über Lage, Lemgo und Barntrup in die Rattenfängerstadt Hameln.
Der östliche Streckenabschnitt der eingleisigen Nebenbahn nach Hameln wurde jedoch am 27.09.1980 stillgelegt. Die Streckenhöchstgeschwindigkeit beträgt 80 km/h.

Streckencharakteristik

Geschichte der Begatalbahn

Anfänge der Begatalbahn bis 1945

Bahnhübergang in Lemgo Die ersten Planungen einer Eisenbahn von Bielefeld nach Hameln begannen bereits 1880. In Lippe forderte man eine Direktverbindung der preußischen Zentren Bielefeld und Hameln bei gleichzeitiger Anbindung großer Teile des eigenen Landes.

Da das Land Lippe sich zunächst weder mit dem preußischen Staat einigen noch die erforderlichen finanziellen Mittel für den Bau der Eisenbahn aufbringen konnte, verzögerte sich der Bau dieser Eisenbahn jedoch. Als nach langen Verhandlungen am 22.09.1889 endlich der Staatsvertrag für die Errichtung der Eisenbahnen von Detmold nach Sandebeck und von Lage nach Hameln unterzeichnet wurde, verzögerte sich der Bau wegen stadtplanerischer Streitigkeiten in Lemgo um beinahe vier weitere Jahre. Im Oktober 1894 begann schließlich der Bau des ersten Teilstückes.
Erst nachdem die Königlich Preußische Eisenbahnverwaltung (KPEV) im Jahr 1895 die Strecke von Herford über Lage (Lippe) nach Himmighausen eröffnet hatte, konnte am 08.07.1896 der erste Abschnitt der Begatalbahn von Lage nach Lemgo über Hörstmar in Betrieb genommen werden. Bereits am 02.11.1896 erfolgte dann die Eröffnung des deutlich längeren Teilstückes von Lemgo nach Hameln über Dörentrup und Barntrup.
Die Betriebsführung auf dem neuen Streckenabschnitt übernahm die KPEV, was auch am typisch preußischen Baustil der Bahnhofsgebäude im "Baukasten-System" entlang der Eisenbahn erkennbar war.

Um die Jahrhundertwende begannen dann die Planungen zur Verlängerung der neuen Strecke in westlicher Richtung über Oerlinghausen nach Bielefeld. Am 01.10.1903 wurde das Teilstück von Lage (Lippe) bis Oerlinghausen eröffnet. Obwohl Oerlinghausen wegen der topografischen Lage im Teutoburger Wald seinen Bahnhof vor den Toren der Stadt (im Nachbarort Asemissen) erhielt, kam der Station die größte Bedeutung der Strecke zu.
Genau ein Jahr später, am 01.10.1904, erreichte die Eisenbahnstrecke ihren Endausbau mit Fertigstellung des letzten Abschnitts westlich von Oerlinghausen und ermöglichte den durchgehenden Eisenbahnbetrieb zwischen der Leineweber- und der Rattenfängerstadt.
Mit der durchgehenden Eisenbahnverbindung erlebten die anliegenden Orte einen leichten wirtschaftlichen Aufschwung und das Reisen wurde für die Menschen wesentlich einfacher. Die Industrialisierung in der ländlichen Region erfolgte zunächst nur langsam, so dass in den ersten Jahren kein großes Güteraufkommen auf der Bahnstrecke entstand. Erst nach Bildung einiger Genossenschaften und holzverarbeitender Betriebe entlang der Eisenbahn stieg der Güterverkehr weiter an.

Am 01.04.1920 übernahm dann die neue Deutsche Reichsbahngesellschaft den gesamten Eisenbahnbetrieb auch auf dieser Strecke.

Im Juli 1927 erfolgte in Barntrup der Anschluss an die neugebaute Extertalbahn, die bis 1929 von Barntrup bis nach Rinteln erweitert wurde.

Von 1945 bis zur Bahnreform

Im Zweiten Weltkrieg wurde lediglich die Infrastruktur der Eisenbahn in Lage, Bielefeld und Hameln teilweise Opfer der Bombenangriffe. Die Hamelner Weserbrücke war in der Folge noch viele Jahre gesperrt und die Züge endeten an einem dort installierten Behelfsbahnsteig. Die neu entstandene Deutsche Bundesbahn nahm den Verkehr auf der Strecke (damals Kursbuchstrecke 204) wieder auf.
Autoverladung im Bahnhof Ehlenbruch
Die seit der Streckeneröffnung vorherrschende Dampflok-Bespannung auf der Begatalbahn dominierte nach dem Krieg noch bis in die 1970er Jahre hinein. Nur langsam wurden die Dampflokomotiven auf dieser Strecke durch Akku-Triebwagen von östlicher und durch Dieseltriebwagen und -lokomotiven von westlicher Seite aus verdrängt.

Die Elektrifizierung der Begatalbahn wurde 1975 auf politischer Ebene verhindert, denn die Bundesbahn wollte nur den Abschnitt westlich von Lage mit Fahrdraht versehen. Der schon Mitte der 1970er Jahre defizitär betriebene Abschnitt nach Hameln wäre langfristig abgekoppelt worden, was auch für Lemgo den Verlust des Bahnanschlusses bedeutet hätte. In dieser Zeit wurden in der alten Hansestadt bereits alle Wartungseinrichtungen und Gebäude zur Stückgutabfertigung abgebaut. Im Jahr 1976 wurde die Begatalbahn erstmals mit Stillegungsgerüchten in Verbindung gebracht. Grund waren die sinkenden Beförderungszahlen und Schäden an der erst 1949 wiederaufgebauten Weserbrücke bei Hameln. Am 27.09.1980 stellte die Bundesbahn dann tatsächlich östlich von Lemgo den Personenverkehr ein. Während Proteste im Raum Lippe wenigstens die Weiterführung des Personennahverkehrs zwischen Lemgo und Bielefeld retten, gab es für den auch niedersächsischen Boden berührenden östlichen Streckenabschnitt keine Hoffnung mehr. Die letzte besetzte Station dieses Streckenabschnitts war der Bahnhof Barntrup.
Ab 1983 bis zum Juli 1985 legte die Bundesbahn den Abschnitt Aerzen - Hameln mitsamt der Weserbrücke und dem Klüttunnel (316 m Länge) in mehreren Abschnitten still und demontierte die Gleise zwischen Aerzen und Hameln endgültig. Der Streckenabschnitt wurde bis 1992 seiner ehemaligen Funktion als Eisenbahninfrastruktur entwidmet und die Grundstücke verkauft. Als Folge stand einer Überbauung mit Straßen, Wegen und Gebäuden nichts mehr entgegen. Somit wurde eine Wiedereröffnung des Streckenabschnittes in der Zukunft endgültig verhindert.
Über Lemgo hinaus fuhren danach nur noch Bedarfsgüterzüge in östliche Richtung. Die alte Hansestadt in Lippe war nun zur östlichen Endstation der damaligen Kursbuchstrecke 204 geworden.
Mitte der 1980er Jahre wurde auf dem verbliebenen Streckenstück westlich von Lemgo versuchsweise ein Taktfahrplan nach heutigem Muster eingeführt, der zu den erhofften Steigerungen der Fahrgastzahlen führte.

Fortsetzung: Von der Bahnreform 1994 bis heute

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