
Fortsetzung (zurück zum 1. Teil: Anfänge der Begatalbahn)
Im Zuge der Bahnreform erfolgte die Umnummerierung der Kursbuchstrecke 204 in 404 und
404a. Seitens des neu entstandenen Verkehrsverbundes Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) und
angesichts der Tatsache, dass im Rahmen der Reformen der Nah- und Regionalverkehr in die
Bestellerhoheit der Bundesländer übergegangen war, diskutierte man immer wieder
über eine Reaktivierung der neuen Kursbuchstrecke 404a über Lemgo hinaus.
Der bereits in den 1980er Jahren eingeführte Taktverkehr hatte Wirkung gezeigt und
die Fahrgastzahlen ansteigen lassen. Die Deutsche Bahn dachte trotzdem nicht an eine
Wiederaufnahme des Betriebes nach Barntrup und Hameln, es fand im Gegenteil der
Rückbau der dort verbliebenen Anlagen statt.

Die Eisenbahnstrecke von Bielefeld bis Lemgo wurde Mitte der 1990er Jahre saniert, auf
eine Geschwindigkeit von 80 km/h ertüchtigt und ihre Infrastruktur dabei an das
aktuelle Betriebsprogramm angepasst. Seither ist der Bahnhof Oerlinghausen für den
Reisezugverkehr auch der einzig verbliebene Kreuzungsbahnhof abgesehen vom Bahnhof Lage
als Kreuzungspunkt mit der Strecke Herford - Himmighausen. In Oerlinghausen wurde ein modernes
elektronisches Stellwerk errichtet, welches alle übrigen Stellwerke zwischen Lage
und Bielefeld Ost ersetzt hat. Betriebliche Zugkreuzungen ohne Verkehrshalt sind auch
noch im Bielefelder Ostbahnhof und im ferngesteuerten Betriebsbahnhof Hillegossen
möglich.
Im Jahr 2000 wechselte der Betreiber der Regionalbahn "Lipperländer" nach
öffentlicher Ausschreibung der Relation Bielefeld - Lemgo. DB Regio gab die
Verkehrsleistung an die neu gegründete Eurobahn ab, welche mit ihrer neuen
Fahrzeugflotte aus Talent-Triebwagen neben dieser Linie auch die Relation Bielefeld -
Rhaden übernahm. Die Eurobahn errichtete ihren Betriebshof an der Anschlussstelle
Sieker, die sich an der Kursbuchstrecke 404 zwischen dem Bielefelder Ostbahnhof und dem
Haltepunkt Oldentrup befindet. Nach weiteren Ausschreibungsgewinnen der Eurobahn mussten
die Anlagen des Betriebshofes inzwischen noch erweitert werden.

Die Städte Lemgo und Barntrup sowie die Gemeinde Dörentrup forderten bereits
1999 eine Reaktivierung der Begatalbahn im Abschnitt Lemgo - Barntrup
für den Personennahverkehr. Auch der lippische Kreistag beschloss einstimmig, die
Reaktivierung des Abschnittes der Begatalbahn voranzutreiben. So wurde die Begatalbahn
auch zunächst in die Kategorie "Vordringlicher Bedarf" der Infrastrukturprojekte des
Landes in Verbindung mit einer entsprechenden Förderzusage eingestuft.
Im Jahr 2000 fand eine Übereignung des als Kursbuchstrecke 404a bezeichneten
Abschnitts einschließlich des Bahnhofs Lemgo von der Deutschen Bahn an die
Verkehrsbetriebe Extertal (VBE) statt. Den immer wieder laut gewordenen
Stilllegungsabsichten der Bahn war damit ein Riegel vorgeschoben worden. Die VBE konnten
so die endgültige Abnabelung ihrer Stammstrecke von
Barntrup nach Rinteln verhindern.
Es folgte jedoch nicht die Wiederaufnahme des Betriebs, sondern die sofortige Sperrung
der maroden Anlagen. So wurde auch der in den letzten Jahren sporadisch
durchgeführte Güterzugbetrieb gänzlich eingestellt. Der letzte
Güterzug fuhr im Jahr 2001 über die Begatalbahn von Barntrup nach Lemgo.
Abgesehen von der 1992 sanierten Straßenbrücke in Bega waren die Gleisanlagen
des Streckenabschnitts Lemgo - Barntrup in einem miserablen Zustand, so dass die Strecke
als "im Bau befindlich" eingestuft und damit für den Personen- und Güterverkehr
nicht mehr nutzbar wurde. Lediglich Überführungsfahrten und Fahrten zum Zweck
von Instandsetzung- und Unterhaltungsmaßnahmen sind seit diesem Zeitpunkt auf dem
Abschnitt Lemgo Barntrup gestattet. Die Verkehrsbetriebe Extertal unternahmen als neuer
Betreiber auch vorerst keine konkreten Anstrengungen, den Abschnitt wieder zu
reaktivieren, was wegen der erheblichen Rückbauten unter ökonomischen
Gesichtspunkten grundsätzlich auch nur noch bis Barntrup möglich ist. Die
gesamte Anlage östlich von Lemgo lag fortan brach.
Der in Betrieb befindliche Streckenteil ausschließlich des Bahnhofs Lemgo wird seit
2001 vom Bereich Regionalnetze der Deutschen Bahn betrieben.
Eine von der Bezirksregierung beaufragte Kosten-Nutzen-Analyse für die Reaktivierung
der Begatalbahn zwischen Lemgo und Barntrup bestätigte 2003 die Wirtschaftlichkeit
der Maßnahme.
Im Jahr 2005 konnten dann die lange gehegten Pläne zur Reaktivierung des
Streckenabschnitts Lemgo - Barntrup im ersten Abschnitt in die Realität umgesetzt
werden. Mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt
Lemgo und auf Bestellung des Verkehrsverbundes OstWestfalen-Lippe begannen Ende September
2005 die Arbeiten zur Reaktivierung des 1,1 km langen Streckenabschnitts der
Kursbuchstrecke 404a vom Bahnhof Lemgo nach Lemgo-Lüttfeld. Der neue Haltepunkt
Lemgo-Lüttfeld bindet das Schulzentrum und die Lipperlandhalle an den
Schienenpersonennahverkehr an. Im Zuge der Bauarbeiten wurden auch der Bahnhof Lemgo und
zwei Bahnübergänge im Stadtgebiet umgebaut. Im April 2007 wurde das neue
elektronische Stellwerk für den Bahnhof Lemgo in Bösingfeld in Betrieb genommen
und ersetzte das alte mechanische Stellwerk in Lemgo.
Am 28.07.2007 wurde der sanierte Streckenabschnitt zwischen dem Bahnhof Lemgo und dem
neuen Haltepunkt Lemgo-Lüttfeld für den Schienenpersonennahverkehr wieder
eröffnet. Die Züge aus Bielefeld fahren nun über den Bahnhof Lemgo hinaus
bis zum neuen Haltepunkt am Lüttfeld. Mit dem Umbau wurden die nutzbaren
Gleislängen im Bahnhof Lemgo stark verkürzt, so dass ein Güterverkehr
zukünftig nur unter stark erschwerten Bedingungen möglich sein wird.
Mit der Inbetriebnahme des neuen Haltepunkts Lemgo-Lüttfeld ist die erste
Ausbaustufe der Eisenbahnstrecke Lemgo - Hameln nach der Bahnreform vollendet.
Wegen fehlender Haushaltsmittel wurde die Reaktivierung des Streckenabschnittes
Lemgo-Lüttfeld - Barntrup in die Kategorie "Möglicher späterer Bedarf"
zurückgestuft.
Langfristig ist in einer zweiten Ausbaustufe auch die Reaktivierung der Bahnstrecke
bis Barntrup durch die VBE geplant. Diese Maßnahme erschien angesichts der
Kürzungen der Regionalisierungsmittel durch die Bundesregierung seit 2006 jedoch
zunächst utopisch.
Seit dem Frühjahr 2008 kommt jedoch wieder neuer Schwung in die Pläne zur
Reaktivierung der Begatalbahn. In ehrenamtlicher Arbeit wurde die Strecke vom Bewuchs
befreit und kleinere Instandhaltungsarbeiten vorgenommen. So soll die Strecke für
Überführungsfahrten weiterhin erhalten bleiben. Gleichzeitig macht sich die neu
gegründete Initiative Pro-Begatalbahn bei Bürgern, Politik und Wirtschaft
für eine schnelle Reaktivierung stark.
Ein Betrieb jenseits von Barntrup nach Hameln erscheint völlig unmöglich, da
dort nach der Entwidmung der Eisenbahnstrecke ein nahezu vollständiger Rückbau
der Gleisanlagen sowie Teilweise eine Überbauung der alten Eisenbahntrasse
stattgefunden hat. Einzig die marode Weserbrücke in Hameln ist noch vorhanden.
Als mögliche Alternative wurde bereits eine Trassenführung von Barntrup nach
Bad Pyrmont erarbeitet, um dort Anschluss an die Hannover-Altenbekener Eisenbahn in
Richtung Hameln und Hannover zu erlangen.
Darüber hinaus verspricht die Zukunft keine besonderen Veränderungen für
die Strecke, da der Betrieb der Eurobahn dort reibungslos verläuft und von den
Reisenden gut angenommen wird.
Schwerpunkt des Personenzugverkehrs dieser Eisenbahn war immer der durchgehende
Verkehr zwischen der Leineweberstadt im Westen und der Rattenfängerstadt im
Osten.
In den 1950er Jahren fuhren jedoch auch Eilzüge auf der Relation Bielefeld - Kassel,
die in Lage auf die Strecke
nach Altenbeken wechselten, wie es auch heute wieder der Fall ist.
Die Dampflok-Bespannung der Züge auf der Begatalbahn dominierte bis in die 1970er
Jahre hinein. Es kamen Maschinen unterschiedlicher Baureihen (wie BR 23, 44 oder 50) zum
Einsatz.
In den 1970er Jahren wurden die Dampflokomotiven auf dieser Eisenbahnstrecke durch die
neuen Akku-Triebwagen der Baureihe 515 von Hamelner und durch Dieseltriebwagen und
-lokomotiven der Baureihen 211, 614 und 624 von Bielefelder Seite verdrängt.
Nach Einführung des Taktfahrplans in den 1980er Jahren kamen für die
stündlich verkehrenden Nahverkehrszüge in der Regel Dieseltriebwagen der
Baureihen 624 und 634 mit den entsprechenden Mittelwagen der Baureihen 924 und 934 aus
Osnabrück zum Einsatz.
In den 1990er Jahren wurden dann vermehrt auch Triebwagen der Baureihe 628/928 aus
Braunschweig als Regionalbahn auf der Strecke eingesetzt.
Seit 2000 wird die Regionalbahn Bielefeld - Lemgo ("Lipperländer", RB 73) mit den
Dieseltriebwagen vom Typ Talent der Eurobahn bedient. Die Betriebsruhe der Strecke von
Samstag Mittag bis Montag Morgen wurde aufgehoben. Der ehemalige Regionalexpress Bad
Bentheim - Altenbeken wurde zum "Leineweber" (RE 82) und befährt seitdem zwischen
Bielefeld und Lage die Begatalbahn. Die Verkehrsleistung dieser Regionalexpresslinie von
Altenbeken über Lage nach Bielefeld wird seit 2004 durch die Talent-Triebwagen der
NordWestBahn erbracht.
Informationsgrundlage für diesen Artikel sind die nachfolgend genannten Veröffentlichungen.
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