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Die Kursbuchstrecke 404: Bielefeld - Lage - Lemgo - Hameln
KBS 404 - Begatalbahn

Geschichte der Begatalbahn

Fortsetzung (zurück zum 1. Teil: Anfänge der Begatalbahn)

Von der Bahnreform 1994 bis 2000

Im Zuge der Bahnreform erfolgte die Umnummerierung der Kursbuchstrecke 204 in 404 und 404a. Seitens des neu entstandenen Verkehrsverbundes Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) und angesichts der Tatsache, dass im Rahmen der Reformen der Nah- und Regionalverkehr in die Bestellerhoheit der Bundesländer übergegangen war, diskutierte man immer wieder über eine Reaktivierung der neuen Kursbuchstrecke 404a über Lemgo hinaus.

Der bereits in den 1980er Jahren eingeführte Taktverkehr hatte Wirkung gezeigt und die Fahrgastzahlen ansteigen lassen. Die Deutsche Bahn dachte trotzdem nicht an eine Wiederaufnahme des Betriebes nach Barntrup und Hameln; es fand im Gegenteil der Rückbau der dort verbliebenen Anlagen statt.
Bauzug im Bahnhof Lage
Die Eisenbahnstrecke von Bielefeld über Lage bis Lemgo wurde Mitte der 1990er Jahre saniert, auf eine Geschwindigkeit von 80 km/h ertüchtigt und die Infrastruktur an das aktuelle Betriebsprogramm angepasst. Seither ist der Bahnhof Oerlinghausen für den Reisezugverkehr auch der einzig verbliebene Kreuzungsbahnhof abgesehen vom Bahnhof Lage als Kreuzungspunkt mit der Strecke Herford - Himmighausen.

In Oerlinghausen wurde ein modernes elektronisches Stellwerk errichtet, welches alle übrigen Stellwerke zwischen Lage und Bielefeld Ost ersetzt hat. Betriebliche Zugkreuzungen ohne Verkehrshalt sind noch jenseits der lippischen Grenze im Bielefelder Ostbahnhof und im ferngesteuerten Betriebsbahnhof Hillegossen möglich.

Von den Plänen einer Reaktivierung 2000 bis heute

Im Jahr 2000 wechselte der Betreiber der Regionalbahn "Lipperländer" nach öffentlicher Ausschreibung der Relation Bielefeld - Lemgo. DB Regio gab die Verkehrsleistung an die neu gegründete Eurobahn ab, welche mit ihrer neuen Fahrzeugflotte aus Talent-Triebwagen neben dieser Linie auch die Relation Bielefeld - Rhaden übernahm. Die Eurobahn errichtete ihren Betriebshof an der Anschlussstelle Sieker, die sich an der Kursbuchstrecke 404 zwischen dem Bielefelder Ostbahnhof und dem Haltepunkt Oldentrup befindet. Nach weiteren Ausschreibungsgewinnen der Eurobahn mussten die Anlagen des Betriebshofes inzwischen noch erweitert werden.
360 618 auf der Fahrt von Lage nach Ehlenbruch
Die Städte Lemgo und Barntrup sowie die Gemeinde Dörentrup forderten bereits 1999 eine Reaktivierung der Begatalbahn im Abschnitt zwischen Lemgo und Barntrup für den Personennahverkehr. Auch der lippische Kreistag beschloss einstimmig, die Reaktivierung des Abschnittes der Begatalbahn voranzutreiben. So wurde die Begatalbahn auch zunächst in die Kategorie "Vordringlicher Bedarf" der Infrastrukturprojekte des Landes in Verbindung mit einer entsprechenden Förderzusage eingestuft.

Im Jahr 2000 fand eine Übereignung des als Kursbuchstrecke 404a bezeichneten Abschnitts einschließlich des Bahnhofs Lemgo von der Deutschen Bahn an die Verkehrsbetriebe Extertal (VBE) statt. Den immer wieder laut gewordenen Stilllegungsabsichten der Bahn war damit ein Riegel vorgeschoben worden. Die VBE konnten so die endgültige Abnabelung ihrer Stammstrecke von Barntrup nach Rinteln zunächst verhindern.

Es folgte jedoch nicht die Wiederaufnahme des Betriebs, sondern die sofortige Sperrung der maroden Anlagen. So wurde auch der in den letzten Jahren sporadisch durchgeführte Güterzugbetrieb gänzlich eingestellt. Der letzte Güterzug fuhr im Jahr 2001 über die Begatalbahn von Barntrup nach Lemgo.

Abgesehen von der 1992 sanierten Straßenbrücke in Bega waren die Gleisanlagen des Streckenabschnitts Lemgo - Barntrup in einem miserablen Zustand, so dass die Strecke als "im Bau befindlich" eingestuft und damit für den Personen- und Güterverkehr nicht mehr nutzbar wurde. Lediglich Überführungsfahrten und Fahrten zum Zweck von Instandsetzung- und Unterhaltungsmaßnahmen waren seit diesem Zeitpunkt auf dem Abschnitt Lemgo Barntrup gestattet.
gesperrte Eisenbahnstrecke mit Überweg bei Lemgo-Brake
Die Verkehrsbetriebe Extertal unternahmen als neuer Betreiber vorerst keine konkreten Anstrengungen, den Abschnitt wieder zu reaktivieren, was wegen der erheblichen Rückbauten unter ökonomischen Gesichtspunkten grundsätzlich auch nur noch bis Barntrup möglich ist. Die gesamte Anlage östlich von Lemgo lag fortan brach.

Der in Betrieb befindliche Streckenteil ausschließlich des Bahnhofs Lemgo wird seit 2001 vom Bereich Regionalnetze der Deutschen Bahn betrieben.

Eine von der Bezirksregierung beaufragte Kosten-Nutzen-Analyse für die Reaktivierung der Begatalbahn zwischen Lemgo und Barntrup bestätigte 2003 die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme.
Bahnhof Lemgo beim Umbau
Im Jahr 2005 konnten dann die lange gehegten Pläne zur Reaktivierung des Streckenabschnitts Lemgo - Barntrup im ersten Abschnitt in die Realität umgesetzt werden. Mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Lemgo und auf Bestellung des Verkehrsverbundes OstWestfalen-Lippe begannen Ende September 2005 die Arbeiten zur Reaktivierung des 1,1 km langen Streckenabschnitts der Kursbuchstrecke 404a vom Bahnhof Lemgo nach Lemgo-Lüttfeld. Der neue Haltepunkt Lemgo-Lüttfeld bindet das Schulzentrum und die Lipperlandhalle an den Schienenpersonennahverkehr an. Im Zuge der Bauarbeiten wurden auch der Bahnhof Lemgo und zwei Bahnübergänge im Stadtgebiet umgebaut. Im April 2007 wurde das neue elektronische Stellwerk für den Bahnhof Lemgo in Bösingfeld in Betrieb genommen und ersetzte das alte mechanische Stellwerk in Lemgo.

Am 28.07.2007 wurde der sanierte Streckenabschnitt zwischen dem Bahnhof Lemgo und dem neuen Haltepunkt Lemgo-Lüttfeld für den Schienenpersonennahverkehr wieder eröffnet. Die Züge aus Bielefeld fahren nun über den Bahnhof Lemgo hinaus bis zum neuen Haltepunkt am Lüttfeld. Mit dem Umbau wurden die nutzbaren Gleislängen im Bahnhof Lemgo stark verkürzt, so dass ein Güterverkehr zukünftig nur unter stark erschwerten Bedingungen möglich sein wird.

Mit der Inbetriebnahme des neuen Haltepunkts Lemgo-Lüttfeld ist die erste Ausbaustufe der Eisenbahnstrecke Lemgo - Barntrup nach der Bahnreform vollendet.
Eisenbahnbrücke über die Bega bei Lemgo-Brake
Wegen fehlender Haushaltsmittel wurde die Reaktivierung des Streckenabschnittes Lemgo-Lüttfeld - Barntrup jedoch in die Kategorie "Möglicher späterer Bedarf" zurückgestuft. Die weitere Reaktivierung ist angesichts der Kürzungen der Regionalisierungsmittel durch die Bundesregierung seit 2006 zunächst utopisch.

Im Frühjahr 2008 kam jedoch wieder neuer Schwung in die Pläne zur Reaktivierung der Begatalbahn. In ehrenamtlicher Arbeit wurde die Strecke vom Bewuchs befreit und kleinere Instandhaltungsarbeiten vorgenommen. So soll die Strecke für Überführungsfahrten weiterhin erhalten bleiben. Die Initiative Pro-Begatalbahn machte sich bei Bürgern, Politik und Wirtschaft für eine schnelle Reaktivierung stark.

Im Herbst 2010 fiel die Entscheidung gegen die Reaktivierung, da die anliegenden Städte und Gemeinden nicht bereit waren, sich an den Betriebskosten der Strecke zu beteiligen.

Seit 2013 ist die Strecke zwischen Dörentrup und Lemgo wegen der maroden Begabrücke bei Brake und vorhandener Oberbaumängel im Streckenabschnitt für den Zugverkehr gesperrt. Damit ist die östliche Begatalbahn mit dem Anschluss an die Extertalbahn vom übrigen öffentlichen Schienennetz getrennt.

Ausblick

Langfristig ist in einer zweiten Ausbaustufe auch die Reaktivierung der Bahnstrecke bis Barntrup durch die VBE geplant.

Ein Betrieb jenseits von Barntrup nach Hameln erscheint völlig unmöglich, da dort nach der Entwidmung der Eisenbahnstrecke ein nahezu vollständiger Rückbau der Gleisanlagen sowie teilweise eine Überbauung der alten Eisenbahntrasse stattgefunden hat.

Als mögliche Alternative wurde bereits eine Trassenführung von Barntrup nach Bad Pyrmont erarbeitet, um dort Anschluss an die Hannover-Altenbekener Eisenbahn in Richtung Hameln und Hannover zu erlangen.

Darüber hinaus verspricht die Zukunft keine besonderen Veränderungen für die Strecke, da der Betrieb der Eurobahn dort reibungslos verläuft und von den Reisenden gut angenommen wird.

Im Mai 2014 wurde die Maßnahmenliste für den neuen Bedarfsplan Schiene 2015 veröffentlicht. Enthalten ist dort auch die Elektrifizierung der Strecke Bielefeld - Lage - Lemgo. Die Maßnahme ist zunächst auf Kosten und Nutzen näher zu untersuchen.

Betriebsprogramm und Fahrzeugeinsatz auf der Begatalbahn

Schwerpunkt des Personenzugverkehrs dieser Eisenbahn war immer der durchgehende Verkehr zwischen der Leineweberstadt im Westen und der Rattenfängerstadt im Osten.
In den 1950er Jahren fuhren jedoch auch Eilzüge auf der Relation Bielefeld - Kassel, die in Lage auf die Strecke nach Altenbeken wechselten, wie es auch heute wieder der Fall ist.

Die Dampflok-Bespannung der Züge auf der Begatalbahn dominierte bis in die 1970er Jahre hinein. Es kamen Maschinen unterschiedlicher Baureihen (wie BR 23, 44 oder 50) zum Einsatz.

In den 1970er Jahren wurden die Dampflokomotiven auf dieser Eisenbahnstrecke durch die neuen Akku-Triebwagen der Baureihe 515 von Hamelner und durch Dieseltriebwagen und -lokomotiven der Baureihen 211, 614 und 624 von Bielefelder Seite verdrängt.

Nach Einführung des Taktfahrplans in den 1980er Jahren kamen für die stündlich verkehrenden Nahverkehrszüge in der Regel Dieseltriebwagen der Baureihen 624 und 634 mit den entsprechenden Mittelwagen der Baureihen 924 und 934 aus Osnabrück zum Einsatz.

In den 1990er Jahren wurden dann vermehrt auch Triebwagen der Baureihe 628/928 aus Braunschweig als Regionalbahn auf der Strecke eingesetzt.
Eurobahn-Triebwagen auf der Fahrt von Lemgo nach Bielefeld im Bahnhof Lage
Seit 2000 wird die Regionalbahn Bielefeld - Lemgo ("Lipperländer", RB 73) mit den Dieseltriebwagen vom Typ Talent der Eurobahn bedient. Die Betriebsruhe der Strecke von Samstag Mittag bis Montag Morgen wurde aufgehoben. Der ehemalige Regionalexpress Bad Bentheim - Altenbeken wurde zum "Leineweber" (RE 82) und befährt seitdem zwischen Bielefeld und Lage die Begatalbahn.

Die Verkehrsleistung dieser Regionalexpresslinie von Altenbeken über Lage nach Bielefeld wurde von 2004 bis 2913 durch die Talent-Triebwagen der NordWestBahn erbracht.

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013 verschwanden die Triebwagen der NordWestBahn von der Eisenbahnstrecke zwischen Bielefeld und Lage, da die Verkehrsleistungen der Regionalexpresslinie RE82 an die Eurobahn übergingen. Außerdem wurde am Sonntag die Bedienung der Strecke auf den Stundentakt verdichtet.

Aktuell wird die Kursbuchstrecke 404 somit täglich im Stundentakt von den Zügen der folgenden Linien im Personennahverkehr befahren:

Quellennachweis

Informationsgrundlage für diesen Artikel sind die nachfolgend genannten Veröffentlichungen.

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